
Über die Starken und die Schwachen. Bei der Frage, wer den Kürzeren zieht, gibt es leider nichts Neues zu berichten.
M. erzählt von kriminellen Ausländern. Denn die Moldawier waren illegal hier – und haben einen Einbruch begangen.
Die Moldawier arbeiteten in M.s Haus: Ein namhafter Investor errichtet dort mit namhaften Architekten und namhaften Firmen Luxus-Dachwohnungen. Die Moldawier machten die Drecksarbeit.
Eines Tages aber standen sie unten auf der Straße: Ihr Chef sei verschwunden. Mit ihren Pässen: Für Ämter und Formalitäten, hatte der Chef bei der Anwerbung in Moldawien gesagt, brauche er sie. Und weil sie in Wien in einem Massenquartier wohnten, habe er die Pässe dann gleich verwahrt. Nun sei die Arbeit fast fertig – und der Chef weg. Geld hätten sie seit Wochen keins bekommen. Das Chef-Handy? Tot. Das vom Büro der Firma, die den Chef beauftragt hatte? Tot. Baumeister oder Investor wären sowieso unerreichbar. Dafür sei das Schloss zum Dachgeschoss neu. Bloß: Ihr Werkzeug sei noch dort. Das würden sie jetzt holen – und dann heimfahren.
M. warnte. Vergebens. Und natürlich kam prompt die Polizei. Drei Männer erwischte sie: Gesetz ist eben Gesetz. Drei Tage später ging die Arbeit weiter. Mit neuen Arbeitern – und alten Chefs. M. rief bei Investor und Baufirma an. Man drohte ihm mit Klagen: Man sei namhaft. Und für Sub-Sub-Sub-Unternehmer nicht verantwortlich. Nach einer Woche tauchte einer der Arbeiter wieder auf: hungrig, verzweifelt, ohne Geld und Papiere. M. gab ihm ein paar Scheine.Vor ein paar Tagen kam ein Brief. Drin war das Geld. Und eine Ansichtskarte. Aus Moldawien.
Thomas Rottenberg ist Redakteur bei der Tageszeitung „Der Standard“.