
Ich denke, er ist keine 14, aber jungen Herren in diesem Alter tut man leicht Unrecht, und das können die genau gar nicht brauchen; dass man sie von oben herab behandelt, während sie sehnsüchtig darauf warten, endlich so in die Höhe zu schießen wie der Benni, der sich am Samstag schon rasiert. Schüchtern jedenfalls ist das Bürschchen in der Warteschlange hinter uns nicht:
„Darf ich vor, ich hab nur DAS!?“ zeigt der zarte Blondschopf einen
Arm, beladen mit Alkopops, her: kleine Flaschen voll Wodka und Rum, mit
süßer Limonade versetzt. „Nein darfst du nicht“, ist unsere Reaktion,
“weil du nämlich überhaupt keinen Alkohol kaufen darfst. Oder hast du
einen Ausweis mit? Bist du schon 16?“ „Ja, sicher, so 15, 16 …“ kommt
die wenig überlegte Antwort. „Du kriegst hier nix, ich werde dir auf
keinen Fall Spirituosen verkaufen!“, deutet die Kassiererin auf die
Jugendschutzbestimmungen, die über dem Packtisch angebracht sind.
Der Kleine verlässt die Warteschlange und verschwindet zwischen den Regalen, hinten in der Filiale.
Bis wir gezahlt und unsere Einkäufe im Auto verstaut haben, taucht er nicht wieder auf. Ob er sich schämt? Unwahrscheinlich.
Er wartet wohl, dass die lästigen Erwachsenen endlich Leine ziehen. Vielleicht wird er es später noch einmal an der Kassa probieren oder versuchen, den Alk-Bedarf im Anorak rauszuschmuggeln; voller Wut darüber, dass es so gar kein Verständnis gibt für den Wunsch, mit seinen Freunden Fasching zu feiern – so, wie er es bei den Erwachsenen sieht: zünftig, hochprozentig und … ziemlich nah am Koma.
Martina Rupp ist Hitradio-Ö3-Stimme, ORF-Fernsehmoderatorin und Autorin.