Vormagazin

Ausgabe Jänner 2012

Darf ich bitten? - Die Ballsaison ist eröffnet.

Gewinn Vor allen anderen...

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Rupp

Baba und Foi ned!

Martina Rupp über Nettigkeitsfloskeln und die guten alten Zeiten.

Küss die Hand die Dame, einen wunderschönen Tag der Herr – Ich darf Sie auf das Allerherzlichste
begrüßen! Keine Angst, war nur ein Versuch, ist schon wieder vorbei. Weil’s nach Erbschleichersendung im 70er-Jahre-Regional­radio klingt; so viel retro geht gar nicht. Es gibt eben keine livrierten Diener mehr, denen wir bei einem Besuch die Visitenkarte aufs Silbertablett legen könnten. Heute halten wir ohnehin online Kontakt über soziale Netzwerke, wir twittern oder tun uns auf Facebook um. Das persönliche Erscheinen ist dann keine große Überraschung mehr. War ja ausgemacht; bei Verspätung simsen wir halt neue Koordinaten. Vielleicht werden deshalb kurze Gruß­formeln immer beliebter, wie das Linzer Meinungsforschungsinstitut Spectra erforscht hat. „Hallo“ sagen wir Österreicher immer öfter, wenn wir kommen, „Tschüss“, wenn wir gehen. Dass der „Morgen!“, den wir wünschen, ein guter sein möge, setzen wir als beim Grußadressaten bekannt voraus. Formelle Zweiteiler wie „Auf Wiedersehen“ oder
„Auf Wiederhören“ befinden sich am absteigenden Ast, „Tschüssikofsky“ gilt nach kurzer Blüte in den 90ern mittlerweile als ausgestorben. „Hi“ schließt auf, ist es doch – neben dem erkennenden Grunzer – die kürzeste Art, Höflichkeit anzudeuten. Nicht in der Aufzählung erfasst: form- und wortloser Abschied. Ohne jede Erklärung einfach nicht mehr angerufen werden. Hat man heute immer öfter, privat und auch beruflich. Da und dort sind wir tatsächlich so weit, dass „Baba und foi ned!“ als freundlicher Abschied nebst guten Wünschen durchgehen würde.

Martina Rupp ist Hitradio Ö3-Stimme, ORF-Fernsehmoderatorin und Autorin. 

von Martina Rupp

Martina Rupp ist Hitradio-Ö3-Stimme, ORF-Fernsehmoderatorin und Autorin.