Vormagazin

Ausgabe Jänner 2012

Darf ich bitten? - Die Ballsaison ist eröffnet.

Gewinn Vor allen anderen...

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Rupp

Kleiner Kino Knigge

Wenn es immer finsterer und kälter wird, kuscheln wir uns gerne in gemütliche Veloursfauteuils, um in aller Ruhe einen guten Film zu sehen. Andere gehen ins Kino, um sich zu unterhalten.

Einer aus der Boygroup schräg hinter uns hat die Pointe nicht kapiert. Das macht nichts! Seine Freunde erklären ihm gerne, warum Adam Sandler jetzt im Schnelldurchlauf um zehn Jahre altert. Der Moviecard-Besitzer ist in weiterer Folge dermaßen glücklich über jeden Schmäh, den er verstanden hat, dass er ihn laut glucksend wiederholt; und die Drehbuchautoren haben ganze Arbeit geleistet – schräg hinten also dauerhaft glucksende Glückseligkeit. Gereizter Überdruss dagegen bei der vereinzelten Dame neben mir. „Wann kommst denn endlich? Ich sitz in der FÜNFZEHNTEN Reihe“, zischelt sie ins Handy, „in der Mitte! Cola brauchst keins kaufen, hab ich. Und Tacos!“

In der Tat. Sie scheint der Theorie zu folgen, wonach Kalorien, die im Dunkeln eingenommen werden, nicht anschlagen. Wie sonst ist es zu erklären, dass jemand eineinhalb Stunden cruncht, raschelt, laut krachend M&M’s zerbeißt und dazwischen mit dem Strohhalm nachdrücklich die geschmolzenen Reste von 1,5 l Cola mit extra viel Eis schlürft? Wenigstens hat sie den richtigen Film ausgesucht; im Gegensatz zu einer Gruppe von gestressten Eltern, die irgendwie in den falschen Saal geraten sein dürften und nun – während deftiger Sexszenen – plappernd versuchen, ihre 5-Jährigen vom Geschehen auf der Leinwand abzulenken. Bei verfehlter Filmwahl kann man sich entweder nach 10 Minuten kommentarlos durch die Reihen Richtung Ausgang zwängen, eventuell auch meinen: „Was ich bezahlt habe, schau ich mir an“, um gnadenlos wegzupennen, wenn einem fad wird (und sich nachher über „total unlogische“ Handlungsstränge beschweren), oder eine spontane Selbsthilfegruppe bilden. Neulich z.?B. konnten sich zwei Cineasten lautstark nicht darüber einigen, wer der Vater von Angelina Jolie ist, Jon Voight oder Christopher Walken, dauernd verwechsle man die beiden. „Es ist Jon Voight“, wusste ich zufällig, „aber sie redet nicht mit ihm. Gar nix, kein Wort.“ Das Pärchen verstand und schwieg beleidigt, im Gegensatz zu jenen beiden, die bei ‚Das Haus am See‘ ernsthaft in Saft gerieten über das darin vorkommende Zeitparadoxon: „Bitte wieso kann man die Vergangenheit ändern, wenn man deren Folgen in der Gegenwart schon erlebt hat??!“

Ja, da bin ich jetzt auch nicht sicher, ob man das kann! Vielleicht sollte ich mir den Film daheim auf DVD noch einmal anschaun. Könnte aufschlussreich sein – wenn mir das Gruppengefühl auch sehr abgehen wird.

von Martina Rupp

Martina Rupp ist Hitradio-Ö3-Stimme, ORF-Fernsehmoderatorin und Autorin.