
Der Unterschied zwischen zickigem Promi und mündigem Konsumenten liegt im Auge des Betrachters. Und da kommt es wieder drauf an, ob der in der Schlange vor oder hinter mir steht.
Lange vor Weihnachten springt mir in der Auslage einer kleinen Boutique ein entzückendes Einzelteil ins Auge; genau das, was meine Freundin mag! Weil es in ihrer Größe nur einmal vorrätig ist, nehm ich es gleich mit. Ich bin glücklich über das ideale Geschenk. Die wird sich freuen! Jubeln wird sie, vielleicht sogar ein wenig springen und rufen: „Noch nie hat jemand meinen geheimsten Wunsch erraten!“
An der Kassa überkommen mich allerdings jähe Zweifel. Hat die Freundin nicht eh schon ein ganz ähnliches Teil? Und hat sie nicht neulich erwähnt, dass sie dieses Wollgemisch am Hals wahnsinnig macht, weil sie sofort juckende rote Pusteln bekommt? „Wie lange kann man es denn umtauschen?“, frage ich die Verkäuferin, ganz so wie es in ‚Gut beraten Österreich‘ von wohlmeinenden Konsumentenschützern immer empfohlen wird. „Es ist nämlich ein Weihnachtsgeschenk. Mitte Jänner wäre super, bis dahin kommt sie bestimmt dazu.“ „Ach“, strahlt mich die Dame an der Kassa an, „machen Sie sich bitte überhaupt keine Sorgen, bei uns können Sie alles immer umtauschen!“ „Wieso?“, bin ich besorgt, „auf dem Kassabon steht: 14 Tage Umtauschrecht. Und das wäre ja noch vor Weihnachten!“ „Nein, wirklich“, beschwichtigt mich die Verkäuferin, „da können Sie sich verlassen, bei uns gibt’s nie Schwierigkeiten – oder, Karl?“ Ihr schmaler, grauer Kollege zuckt schwach die gebeugten Schultern und murmelt:
„… weiß nicht, müsst ich erst den Chef fragen …“ „Wenn das nicht schriftlich auf der Rechnung vermerkt ist, kann ich die Ware leider nicht kaufen“, sage ich brav meinen konsumentengeschützten Text auf. „So ein Unsinn!“, macht mein resolutes Gegenüber jetzt einen Ausfall, beugt sich wieselflink über die Theke, greift sich die Kreditkarte, die ich unschlüssig in der Hand halte, und – RATSCH – zieht sie durchs Lesegerät. „So, bitte hier unterschreiben!“
Kurz will ich aufbegehren, da merke ich, wie sich in meinen Rücken Blicke bohren. Keine freundlichen Blicke! Es sind die Blicke sehr genervter Parkschein-Ausfüller, die endlich auch zahlen wollen. Aber wenn da vorn eine aus dem Fernsehen glaubt, dass sie sich wichtig machen muss …
Wenn Sie also Mitte Jänner in einer kleinen Boutique hinter meiner Freundin stehen, der man das Geschenk nicht umtauschen will, dann können Sie beobachten, wie es ist, mit einer „Prominenten“ befreundet zu sein, die sich im falschen Moment nicht wichtig machen wollte.
Martina Rupp ist Hitradio-Ö3-Stimme, ORF-Fernsehmoderatorin und Autorin.