
AGENDA 2007. Bringt das neue Jahr Einsichten, Rücksichten und die Erkenntnis, dass wir jeden Tag darüber entscheiden, was unsere Enkel hier einmal vorfinden? Oder machen wir genauso weiter wie bisher?
Neulich wurde in einer deutschen TV-Show ein Wiener Kuriosum als Beispiel für Frauenfeindlichkeit und bestürzende Menschenverachtung gezeigt – die Urinale von der Opernpassage. Sie erinnern sich: Am Herrenklo hat man in aufreizend geöffnete, prall geschminkte Frauenmünder pinkeln dürfen. Und weil mann durfte, wenn mann musste, hat mann es auch gemacht. Tausende Male haben Einheimische und Touristen also zwischen die Porzellanlippen gezielt, bis aufmerksame PolitikerInnen endlich erreicht haben, dass die widerlichen Dinger abmontiert werden. Die Fotos der Schandmäuler im deutschen Fernsehen – ein Lehrstück für PR-Studenten: Oben feierte man Mozart in allen Facetten, im Untergrund regierte Blödgrind und beschädigte fahrlässig das Bild der Stadt.
Image kann man halt nur bedingt konstruieren, verordnen, planen: Der Raucherkarren zum Beispiel steckt ordentlich im Dreck. „Bitte hörts auf, uns eure Abgase ins System zu blasen“, wünschen sich Nichtraucher seit Jahrzehnten. „Militant!“, kreischen Raucher, „Einschränkung der Selbstbestimmung! Freies Land für freie Menschen! In meinem Auto und in meiner Wohnung mach ich, was ich will, und wenn Säuglinge und Kinder nebenbei auch was abbekommen, so what, Umweltverschmutzung und Ozonloch sind schließlich viel schlimmer!“ Muss man uns also per Gesetz zwingen, auch im privatesten Bereich für die von uns verursachte Umweltverschmutzung Verantwortung zu übernehmen? Schaut so aus. Eine an Volksaufstand grenzende BürgerInnenbewegung hat voriges Jahr nachdrücklich auf die etwa 10 bis 20 Tonnen Hundekot, die täglich auf Wiens Straßen und in Grünanlagen landen, aufmerksam gemacht und Herrlis und Fraulis aufgefordert, das Gackerl – wie gesetzlich vorgesehen – gefälligst ins Sackerl zu tun. Ein kleines Anliegen für das große Geschäft! Erfolg: Imagekampagne, Schulterzucken, beleidigte Hundebesitzer. Mut macht mir persönlich nur die Tatsache, dass die Menschen ihre mittelalterliche Gepflogenheit, Nachttöpfe morgens auf die Gasse zu leeren, schließlich auch aufgegeben haben.
Fürs neue Jahr erwarte ich außerdem, dass Madonna ihren Mann verlässt, um mit Britney Spears zusammenzuleben, und dass die globale Erwärmung die Klimaphänomene weiter im Kreis vor sich hertreibt, bis es im Sommer wieder heiß und im Winter kalt wird. Ich könnte mich natürlich auch total irren. Herzlich gern! Hoffentlich nicht nur, was Madonna betrifft.
Martina Rupp ist Hitradio-Ö3-Stimme, ORF-Fernsehmoderatorin und Autorin.