Vormagazin

Ausgabe Jänner 2012

Darf ich bitten? - Die Ballsaison ist eröffnet.

Gewinn Vor allen anderen...

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Rupp

Der Resturlaub-Blues

"Resturlaub" – Ist das nicht ein wunderschönes Wort? Ein Schnäppchen von einem Wort? Ein Wort, so herrlich wie: Fenstertag, gratis, Gutschein, Überraschung, Stammkundenrabatt und Sonderangebot?!

Brauchen Sie gefälligst Ihre übrigen Urlaubstage auf, schreibt die Personalabteilung, Urlaubabbau ist erste Pflicht, wir wollen von Ihnen nix sehen und hören! Das Urlaubsbudget ist böse im Minus, aber das macht nichts; bleib ich halt zu Hause, dort, wo es bekanntlich am schönsten ist. Am schönsten? Bei Ihnen daheim vielleicht, ich glaub es gerne. Bei uns ist es – gut, wenn man nicht genau hinschaut, dann geht’s.

Wenn man aber tagelang zu Hause ist, dann lässt es sich nicht vermeiden, Ecken zu entdecken, die normalerweise nicht so auffallen. Und leider muss ich sagen: Schön ist anders! Wann sind z. B. die Vorhänge das letzte Mal gewaschen worden? Und wie können sich zivilisierte Menschen bloßfüßig in diese Duschkabine trauen? (Die schimmeligen Details spare ich aus, sonst verlassen Sie meine Kolumne auf der Stelle aus hygienischen Gründen und zwar laut kreischend; ich könnte es Ihnen nicht verdenken). Frische Duschverfugung steht auf meiner Resturlaubs-Erledigungsliste ganz oben. Abgehakt bereits: die Gefriertruhe (abgetaut), Kaffee­maschine (entkalkt), Sommer- und Winterschuhe (sortiert). An dieser Stelle fragen Sie, sehr mitfühlender Leser, und Sie, zutiefst aufgewühlte Leserin, zu Recht: „Muss denn die arme Frau alles alleine machen?“ Ich gebe die Frage an den Meister des Akkuschraubers weiter. „Wann montierst du endlich das Regal?“, quengle ich. Dann nehme ich mit meinem Sohn Kontakt auf: „Hast du für die Schule alles beisammen oder soll ich mit dir fahren?“ Seine Reaktion ist ungefähr so ermutigend wie die der Regierung, wenn die Opposition eine Gesetzesänderung einbringen will. Ich versuch mein Glück bei der Tochter: „Falls du darüber nachdenkst, dein Zimmer aufzuräumen, – ich helf dir gerne“, biete ich an, rührend und lieb, wie Sie zustimmen werden.

Doch kein Mensch goutiert meine Bemühungen, im Gegenteil: „Nur weil du Urlaub hast, muss ich noch lang nix aufhängen!“, platziert der Akkumeister leider kein Regal, dafür patzige Argumente. Eine Generation darunter ist das Verständnis ebenso. „Pfooh, sind wir froh, dass du keine Hausfrau bist“, sagen die Kinder unisono, „sonst hast du doch auch nie Zeit für den ganzen Blödsinn! Entspann dich! Lies ein Buch! Trink einen Prosecco, geh mit einer Freundin ins Kino!“ Neudefinition des Begriffs „Resturlaub“: ein als Urlaub getarnter Zustand, der gut dazu geeignet ist, mir persönlich den Rest zu geben!

von Martina Rupp

Martina Rupp ist Hitradio-Ö3-Stimme, ORF-Fernsehmoderatorin und Autorin.