
Sie haben eine Bratapfelallergie, meiden Massenbewegungen, verweigern jegliche Geschenkannahme, untergraben Erwartungen und sind ein subversiver Stimmungstöter? Willkommen im Dezember.
Ich freu mich trotzdem, dass Sie da sind. Ich mag Ihr Lachen, aber bitte fühlen Sie sich jetzt nicht verpflichtet; Sie dürfen hier selbstverständlich dreinschauen, wie Sie wollen. Weder erwarte ich von Ihnen Festtagsstimmung, noch Vorfreude. Sie fühlen sich müde und ausgepowert? Geschenkt! ... Ups, Verzeihung, ist mir so rausgerutscht. Wissen Sie, ich respektiere einsame Individualisten im Widerstand, auch wenn ich eine von den anderen bin.
Schauen Sie, wie ich in der Herde hinter den Rentieren trabe, um meinen Hals die Glöckchen, klingelingeling, und am Kopf eine glänzende rote Schleife, die ich heute Vormittag im Beauty-Outlet unbefleckt empfangen habe, oder später am Punschstand ... da möglicherweise doch schon etwas befleckt, bei dem Gerempel dort. Sie sind anders; Sie gehen abseits der ausgetretenen Pfade, Sie lassen mit sich nicht Schlitten fahren. Sie mögen keine Mogelpackungen und haben es nicht notwendig, sich die Realität durch einen Sternchenfilter schönzuglittern. Dezember ist der zwölfte Monat im Jahr. Punkt. Das konsequent durchzuhalten, muss echt hart sein. Wie viele Alternativveranstaltungen bohren Ihre Moral an, um sie abzuzapfen wie der Sirupfarmer den Ahorn? Dauernd bittet man Sie zu spenden, zu sammeln, ökologisch, sozial, bewusst, politisch korrekt? Sie aber sagen: Wer ganzjährig Lametta verweigert, das Hirn in Betrieb hat und Interesse für seine Umwelt im Stand-by-Modus, der muss nicht ausgerechnet jetzt ins Gutmensch-Mäntelchen schlüpfen! Ich weiß, was Sie meinen. Nur: Unterm Jahr fällt der Unterschied zwischen denen, die sich einiges leisten können, und denen, die kaum das Notwendigste haben, nicht so dermaßen drastisch auf. Wir können gern beim Bild vom Gutmensch-Mäntelchen bleiben: Wenn einem das Helfen schon leicht gemacht wird, weil jene, die Hilfe brauchen, gerade jetzt unüberhörbar um Hilfe bitten, schlüpft es sich eben leichter hinein. Und steht vielen dann gar nicht so schlecht.
Im Monat Nummer zwölf gehen Sie trotz all dem ungerührt Ihrer Wege, während ich unendlich uncool bin: ein Zimtjunkie mit leicht laufenden Vanille-, Nelken- und Tränendrüsen, und, ja, im iPod hör ich ‚The Coventry Carol‘ von Alison Moyet … Wie bitte? Hab ich Sie richtig verstanden? Sagten Sie: „Jetzt lassen Sie’s doch mal Gutschein!?“ Nein? Natürlich. Danke für die Aufmerksamkeit, haben Sie eine schöne Zeit! Alles Liebe und ... halleluja!
Martina Rupp ist Hitradio-Ö3-Stimme, ORF-Fernsehmoderatorin und Autorin.