
Es reicht nicht, wenn die Arbeit Freude macht, der Chef zufrieden ist und die Quote stimmt. Ich muss mich für das große Ganze opfern.
Um eine Fernsehsendung so über den Schirm zu bringen, wie das die Zuschauer mit Recht erwarten, wird eine Routine im Ablauf eingehalten, die jeder der Beteiligten im Schlaf beherrscht. Die Moderatorin stellt sich auf einen genau definierten, fix eingeleuchteten Punkt im Studio.
Sie erhält vom Chef vom Dienst, während sie verkabelt wird oder Maske und Gewandmeister an ihr herumzupfen, letzte Instruktionen.
Neulich aber geriet der gewohnte Ablauf ins Stocken. „Irgendwas ist da“, sagte Karl vom Licht zu Andi vom Licht, „schau!“ Sie beugten sich über den Monitor. „Da unten, links im Eck, seht ihr das?“ „Ah ja, echt“, sagte Sonja von der Maske, „was ist das?“ „Man lernt nie aus“, meinte Kamerafrau Margot. „Unglaublich, dass es in diesem Studio immer noch Überraschungen gibt“, wunderte sich Fredi von der Ausstattung. Ratlos versuchten die Lichtmänner mit langen Haken die Scheinwerferblenden so zu verstellen, dass die Reflexion verschwand. Doch nichts wurde besser. Minutenlang wuselte es im Studio, die Kameras rollten mal nach links, mal nach rechts, gereizt gab der Regisseur Anweisungen: „Höher! Tiefer! Heller!!“ Allgemeine Ratlosigkeit. „Moment!“, rief da die Kamerafrau, „ich glaube, irgendwer macht einen Schatten! Martina, beweg dich mal ein bisschen!“ Schwach schwankte ich in alle Richtungen. „DU bist das“, stellte Margot fest, „DU machst den Schatten! Am besten wird sein, du gehst ganz aus dem Bild ...“
Martina Rupp ist Hitradio-Ö3-Stimme, ORF-Fernsehmoderatorin und Autorin.