Vormagazin

Ausgabe Jänner 2012

Darf ich bitten? - Die Ballsaison ist eröffnet.

Gewinn Vor allen anderen...

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Rupp

Schätzen und Schützen

WIENERISCH. Die Organisatoren des echt:wien-Festivals haben Prominente gebeten, eine Patenschaft für ihr Lieblingswort zu übernehmen.

rupp_illu ©MagdaLena

Die Paten verpflichten sich damit, ihren Favoriten zu hegen und zu pflegen, im Alltag reichlich in die Konversation einzustreuen und so für seine Verbreitung zu sorgen, damit das Kleinod nicht ausstirbt (http://www.echtwien.at).

Als Anhängerin des gepflegten Wiener Herren habe ich mich sehr schnell für ein Wort entschieden, dessen Bekanntschaft ich gemacht habe, als ich achtzehn war. Ein Freund erläuterte damals seine Pläne für den Abend so: “I hau mi in die Anserpanier und geh auf an Boi!“ Ich muss heute noch lachen, so lustig finde ich den Ausdruck. ANSERPANIER.

Wie das Wort so dasteht, schaut es allerdings ein bisschen eigenartig aus. Sollte man besser schreiben: „Ansa Panier“ oder „Einserpanier“? Auf keinen Fall! Echte Wiener wissen selbstverständlich auch so, was gemeint ist: Das beste G’wand zum „Ziagn“, das so wertvoll ist wie das gute Schnitzerl in seiner goldgelben Bröselverpackung und dementsprechend selten in Erscheinung tritt – also dann, wenn die Dame ihr „Sunntogskladl“ trägt.

In der „Anser­panier“ wirken die Herren – vom Schlurf über den Strizzi bis zum Kavalier – auch immer ein bisschen verkleidet („g’schoint“), sonst müsste man sie ja nicht extra erwähnen ... („Noo? Kummst goa in da Anserpanier!?“) „Bam, Oida, fix“ ist jung, lustig und ... hat seine Halbwertszeit überschritten. Die „Anserpanier“ ist ein schützens­wertes Sprachkunstwerk: stark, präzise, plastisch, genau auf dem Punkt gebracht. Typisch Wienerisch eben.

von Martina Rupp

Martina Rupp ist Hitradio-Ö3-Stimme, ORF-Fernsehmoderatorin und Autorin.