
Katzenfangen. Nicht, dass sie einen falschen Eindruck bekommen. Ich teile mein Leben mit einem sportlichen Mann.
Als linker Außenpracker des Traditionsvereins „Lokomotive Hörndlwald“ wird er ob seiner Wendigkeit und seines Tacklings beim Gegner respektiert, ja, gefürchtet. Man kann es kaum glauben, wenn man ihn jetzt sieht; auf allen Vieren rutscht er durchs Wohnzimmer, in der Rechten ein Blatt Krakauer, in der Linken den Katzentransportkorb. „Wursti“, gurrt er, „gutes Wursti, komm her, komm, braaav!“ Unser Tierarzt hat nämlich sehr geschimpft, weil wir voriges Jahr die Impfungen ausgelassen haben: unverantwortlich. Und dass es doch nicht so schwer sein könne, zwei Katzen ein Mal im Jahr in seine Praxis zu bringen. Nein, wirklich, schwer ist das nicht. Es ist ... unmöglich!
Der flauschige Rote ist zwar ein Softie, hat aber eine Technik drauf, mit der er sein Volumen schlagartig verdoppeln kann. „Ich krieg nicht einmal seinen Kopf durch die Öffnung“, keuche ich, „probieren wir’s andersherum!“ Jetzt stellt der Rote seinen Schwanz quer und stemmt sich mit den Hinterbeinen außen am Korb ab. In einem Moment unserer Schwäche flüchtet er unters Sofa. Wir versuchen, seiner Schwester habhaft zu werden. Die ist zwar zart, aber brutal und arbeitet mit gemeinen Psychotricks: „Wie soll ich sie denn festhalten, wenn sie so schreit?“ schmeißt der Mann die Nerven weg.
Er blutet aus zahlreichen Kratzwunden. Ich bin schweißüberströmt. Die Katzen fressen Wursti. Der Tierarzt wartet. Was uns betrifft, wahrscheinlich noch länger.
Martina Rupp ist Hitradio Ö3-Stimme, ORF-Fernsehmoderatorin und Autorin.
Martina Rupp ist Hitradio-Ö3-Stimme, ORF-Fernsehmoderatorin und Autorin.