
Martina Rupp über den unwiderstehlichen Drang, sich im Fernsehen zum Deppen zu machen.
Blamage: Unzählige Möglichkeiten gibt es, sich im TV nachhaltig zum Deppen zu machen. Selten ist dabei eine attraktive Gage im Spiel.
Jedem, der im Fernsehen kocht und gärtnert, unbeholfen steile Showtreppen hinunterwackelt, aus dem richtigen Kuvert einen falschen Namen zieht, das Timing beim Playback vergeigt oder versucht, bei der Rumba die Hüften sexy zu rollen, kann es passieren. Jeder, der von missgünstigen Interviewpartnern vorgeführt oder bei einer voreilig zugesagten Late-Night-Show verarscht wurde, weiß, dass zwischen „Publikumsliebling“ und „Witzfigur“ oft der pure Zufall entscheidet.
Besonders fatal: Tiere im Studio. Die haben einen sechsten Sinn, der ihnen sagt, was Probe und was Ernstfall ist. Und sie haben Humor. Hysterisch heulende Hunde, kollektiv kackende Schweine, schüchterne Schlangen, ungehemmt kopulierende, lüstern quakende Laufenten – schwer wurde Ihre Kolumnistin vor den Augen der Nation schon geprüft.
Deshalb leide ich noch immer mit einem ehemaligen Nachrichtensprecher des turkmenischen Fernsehens: Dort marschierte einst während der 21-Uhr-Nachrichten auf dem Moderatorenpult ungeniert eine fette Kakerlake. Weil den Verantwortlichen das erst bei der dritten Wiederholung auffiel, wurden gleich 30 Mitarbeiter gefeuert.
Sie können sich vorstellen, wie furchtbar ich das finde. Und wie froh ich bin, diese Meldung nicht laut vorlesen zu müssen! Der turkmenische Staatspräsident, der das veranlasst hat, heißt nämlich – Moment – Gu … Gur … Gurbanguly Berdymuchammedow. Das würde bedeuten: Witzfigur. ICH, nicht er!
Martina Rupp ist Hitradio Ö3-Stimme, ORF-Fernsehmoderatorin und Autorin.offenich
Martina Rupp ist Hitradio-Ö3-Stimme, ORF-Fernsehmoderatorin und Autorin.